Wein und Weihnachten – Eine genussvolle Symbiose in Bernkastel-Kues

Die Fachwerkhäuser am Marktplatz liefern eine stimmungsvolle Kulisse für den Weihnachtsmarkt von Bernkastel-Kues. Foto: Simone Eber

Wenn der Nikolaus in einer Barke über die Mosel gefahren kommt, ist in Bern­kastel-Kues die Weihnachtszeit einge­läutet. Die Altstadt mit ihrer Fachwerk­kulisse liefert den idealen Rahmen dafür – und die lange Weintradition des Doppelortes genussvolle Momente.

Auf dem Bernkasteler Marktplatz herrscht am ersten Adventssamstag gegen 18 Uhr traditionell reges Treiben. Während die Einheimischen schon ihre Plätze eingenommen haben, um den besten Blick auf das gleich anstehende Ritual zu haben, bestaunen die Touristen noch die umwerfende Fachwerkkulisse, die jetzt in der Dämmerung bei stimmungsvoller Beleuchtung besonders eindrucksvoll wirkt. Das älteste Gemäuer am Platz ist das Spitzhäuschen von 1416, die meisten Gebäude stammen aus dem 17. Jahrhundert, über ihnen erhebt sich das spätgotische Rathaus.

 

Auch das Haus, dessen Fenster jedes Jahr im Dezember zum Adventskalender umfunktioniert werden, passt ins historische Ambiente. Jetzt kündigt feierliche Blasmusik die Öffnung des ersten Türchens an. Ein Mädchen aus Bernkastel darf das heute übernehmen, zuvor liest ihre Mutter eine weihnachtliche Geschichte vor. Kaum ist die Zeremonie vorüber, leert sich der Marktplatz schlagartig. Einheimische und Gäste, darunter etliche Franzosen, Briten und Holländer, pilgern zur nahen Mosel, um eine weitere Bernkasteler Advents-tradition zu erleben.
Auf der Brücke und am Ufer haben sich bereits tausende gut gelaunte Menschen versammelt, die aufmerksam auf den Fluss blicken und nach etwas Ausschau halten. Erst als kleine, helle Punkte, dann immer deutlicher sind Schwimmer mit Fackeln im Wasser zu erkennen. Unter Johlen und Anfeuerungen des Publikums kommen sie langsam näher; fast alle haben originelle Schwimmbretter dabei, auf denen Lichterketten oder Leuchtfiguren befestigt sind. Besonders schöne Effekte im tintenschwarzen Wasser produziert ein Feuerschlucker.

 

 

Das Fackelschwimmen am ersten Adventssamstag hat in Bernkastel Tradition.

Vom Wasser in die Weinstube

Eskortiert werden die tapferen Fackelschwimmer vom Nikolaus höchstpersönlich. Acht Ruderer lenken seine herausgeputzte Barke über die Mosel und sorgen abwechselnd auch noch für die musikalische Begleitung des Konvois von weit über 100 Schwimmern aus Tauchvereinen der Umgebung. Bei einer Wassertemperatur von etwa sieben Grad gehen sie jedes Jahr in ihren Neoprenanzügen auf der Kueser Seite des Flusses ins Wasser und kommen etwa eine Stunde später unterhalb der Moselbrücke auf der Bernkasteler Seite an. Die genaue Dauer des „Einsatzes“ ist von der Stärke der Strömung abhängig.

Während die einen die Fackelschwimmer am Ziel begeistert feiern, sind vor allem Familien schon wieder auf dem Weg zum Marktplatz. Hier wird nämlich der Nikolaus gleich Geschenke an die Kinder verteilen. Nach und nach werden auch viele andere Gäste zurück in die Altstadt strömen und sich bei einem Winzerglühwein auf dem Weihnachtsmarkt aufwärmen. Der ist auf mehrere Plätze verteilt und nur ein Teil des Bernkasteler Weihnachtsmärchens. Prächtige Christbäume, liebevoll dekorierte Läden und ein heimeliger Lichterzauber sorgen an allen Ecken für adventliche Stimmung. Für viele klingt der Abend erst spät in den Gaststuben der Altstadt aus, etwa in der Doctor-Weinstube mit typischen Gerichten wie Zander mit Gräwis oder Sauer­braten mit Serviettenknödeln. Die große Weinkarte liefert dazu die passenden Rieslinge der Region.

Liebevoll dekorierte Geschäfte machen den Weihnachtsbummel zum besonderen Vergnügen.

Überhaupt, der Wein. Natürlich kann auch ein vorweihnacht­licher Besuch in dem Doppelort Bernkastel-Kues nicht ohne ihn auskommen. Am besten lassen sich die Weinberge vom Kueser Plateau aus erkunden, wo mit insgesamt vier Kliniken einer der größten Reha-Standorte Deutschlands angesiedelt ist. Auf dem Weg vom Plateau hinunter nach Kues lässt Weinbotschafter Sebastian Quint erst einmal die Aussicht wirken: die Mosel, die Schiffe, das Fachwerk der Altstadt, die Burg und natürlich die Weinberge – von hier aus lässt sich alles überblicken, was Bernkastel-Kues so reizvoll macht. „Der Wein war schon immer ein wirtschaftliches Standbein“, erläutert Quint. „Heute haben wir etwa 500 Hektar Anbaufläche in Bernkastel, bei einem Riesling-Anteil von über 70 Prozent.“ Der Bernkasteler Doctor, erfahren wir, gehört zu den teuersten Weinlagen der Welt. Ein Grund dafür ist, dass die Reben hier in Handarbeit kul­tiviert werden müssen. Beim Blick über den Kueser Kardinalsberg weist Sebastian Quint auf eine Besonderheit hin: Es gibt viele kleine Parzellen, altmodische Schilder nennen die Besitzer. Auch das Rote Kreuz hat hier einen Weinberg, der unter dem Dach eines Sozialwerks von Behinderten bewirtschaftet wird.

 

Ein Spaziergang durch die Weinlagen des Kardinalsbergs hat auch im Winter seinen Reiz.

Weine für jeden Geschmack

Ein Beispiel für diese kleinen Strukturen ist auch der Brunnenhof. Hinunter nach Kues, an familiengeführten Winzerbetrieben und Unterkünften vorbei, führt der Weg zu Besitzer Bernd Herges. Lachend erzählt der redegewandte Unternehmer von einem Besuch australischer Kollegen: „Die dachten, alle Weinberge hier im Ort gehören mir.“ Als er sie aufklärte, so Herges, „fanden sie das sehr kuschelig“. „Ver­glichen mit ihren Anbau­flächen erschien ihnen das eher als ein Hobby für Rentner“, amüsiert er sich.
Tatsächlich betreibt der Mittfünfziger den Weinbau aber als Erwerbstätigkeit. Mit 30 Jahren sattelte er vom Ingenieur zum Winzer um – „in einer Zeit“, so Herges, „in der in Deutschland keiner deutschen Wein trinken wollte“. Bereut hat er die Entscheidung nie: „Vor 25 Jahren waren wir fast unten, aber heute gibt es so viele motivierte Winzer“, schwärmt er. Herges geht seinen eigenen Weg, setzt auf Selbstvermarktung, baut „nur“ 60 Prozent Riesling und dafür mehr Burgunder aus. DEN besten Wein gibt es für ihn nicht, er res­pektiert das persönliche Geschmacksempfinden seiner Kunden. Deshalb bietet er neben Riesling-Sekt, Riesling trocken und halbtrocken weiterhin eine süße Variante an, auch wenn die 70 Gramm Restzucker bei 8,5 Volumenprozent heute viele erschaudern lassen. „Früher waren alle Moselweine so – und sie waren Exportschlager“, argumentiert Bernd Herges achselzuckend.

 

Vom Ingenieur zum Winzer: Bernd Herges vom Weingut Brunnenhof.

Seniorenheim mit Historie

Auf dem Weg von Alt Kues mit seinen dicht gedrängten Steinhäusern zur Mosel ändert sich die Architektur: Hier, im „unteren Dorf“, dominieren Villen wie das Weingut Wegeler. Und hier steht auch das Cusanusstift, das dem Ort einst seinen Namen gab. Stifter war der 1401 geborene Nikolaus Krebs oder von Cues, Sohn eines ­Fischers und Weinhändlers. Nach seinem Kirchenrechts-Studium in Heidelberg und Padua schaffte er den Aufstieg bis zum Kardinal – als einziger Deutscher und Nichtadeliger im 15. Jahrhundert. 1458 ließ von Cues das St. Nikolaus-Hospital für 33 alte und bedürftige Menschen errichten. Die Finanzmittel dafür kamen, wie sollte es anders sein, aus seinem Weinberg. Das Stiftsgebäude existiert heute noch im Originalzustand und gilt als ältestes Seniorenheim Europas; die Plätze sind sehr begehrt.
Keine 100 Meter weiter gibt es eine zweite Begegnung mit dem Kirchenmann. Und es geht wieder um Wein. Denn die moderne Moselvinothek des Doppelortes bietet den Riesling-Sekt St. Nikolaus Hospital Bernkasteler Badstube zum Kauf an. Wer diesen oder einen von rund 140 weiteren deutschen Moselweinen erst mal probieren will, hat auch kein Problem. Für 18 Euro Eintritt und ein Glaspfand von zwei Euro können Besucher  auf Geschmacksreise gehen. Der Bestand ist übersichtlich aufgeteilt in trocken, halbtrocken und lieblich. Zu jedem Wein gibt es eine Infotafel mit einer Ziffer. Anhand dieser kann man die Probierflasche aus der Kühlbox und auf Wunsch eine Flasche zum Kauf mit an die Kasse nehmen. Die Vinothek hat übrigens auch einen Wein von Günther Jauchs Gut im Angebot.

 

n der Moselvinothek lässt sich eine große Bandbreite von Weinen der Region unkompliziert verkosten.

Alte Puppen, süße Bonbons

Vielfältig ist das Ausflugsangebot rund um Bernkastel-Kues. Ein beliebtes Nahziel ist etwa Kloster Machern, das 1238 als Zisterzienserinnenkonvent gegründet wurde. Vor gut 15 Jahren wurde die Anlage grund­legend saniert und im Schulterschluss mit mehreren Pächtern zu neuem Leben erweckt. Die Klostermauern beherbergen seitdem ein Restaurant mit Biergarten, eine Brauerei sowie einen Essig- und Destillat-Kontor in der Krypta. Der Barocksaal mit seiner heraus­ragenden Akustik ist Hauptspielstätte des beliebten Mosel-Musik-Festivals.
Wer gerade in der Vorweihnachtszeit ein bisschen nostalgisches Flair atmen möchte, ist im Spielzeugmuseum von Kloster Machern richtig. Die Ausstellungsstücke stammen von einer langjährigen Sammlerfamilie, und die Erlöse aus den Museumsbesuchen kommen karitativen Zwecken zugute. Der Rundgang durch die liebevoll präsentierte Kollektion führt zu Raritäten wie der Luxuspuppe „Mein Liebling“ von 1909 oder einer Laufpuppe von 1910. Auch Blechspielzeug, Fahrzeuge oder Plüschtiere mit Historie verströmen ihren ganz eigenen Charme und werden bei manchem Besucher Kindheitserinnerungen wachrufen.
 

Willi Maas stellt in seinem Laden Bonbons in Handarbeit her.

Ein Spezialist auf diesem Gebiet ist auch der „Bonbon Willi“. In seinem kleinen Geschäft in der Bernkasteler Altstadt zeigt der große Kerl mit dem gutmütigen Gesicht, wie aus Glukoseteig Bonbons werden. Für sein Handwerk benutzt er historische Walzen, die über 100 Jahre alt sind. Wenn die Platte aus der Walze kommt, wird sie mit einem Spatel aufgeschoben und zerfällt in ihre süßen Einzelteile. Als ehemaliger Konditor lässt sich Willi Maas, wie er bürgerlich heißt, gern von verschiedenen Einflüssen inspirieren, etwa von Cocktails zur Kreation Pfirsich-Prosecco. Die Lieblingssorten seiner Kunden sind aber Lakritz und Himbeere. „Das kennen die Leute aus ihrer Kindheit.“ Und „Bonbon Willi“ wäre kein Geschäftsmann in Bernkastel-Kues, wenn er nicht die Sorte Mosel-Riesling im Angebot hätte. Womit wir wieder beim Wein
wären…

Anreise: Bernkastel-Kues liegt ca. 50 km nordöstlich von Trier an der Mosel. Wegen möglicher Weineinkäufe und weil die Stadt keinen Bahnhof hat, empfiehlt sich die Anreise mit dem Auto.
Einkehr/Übernachtung: Das Traditionslokal Doctor Weinstube in der Bernkasteler Altstadt bietet auch 28 moderne Zimmer, www.doctor-weinstube-bernkastel.de.
Adressen: Weingut Brunnenhof, www.brunnenhof-herges.de; Cusanusstift, www.cusanus.de; Vinothek, www.moselweinmuseum.de; Kloster Machern, www.klostermachern.de; „Bonbon-Willi“, www.bonbon-willi.de
Auskünfte: Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, www.gastlandschaften.de

Fotos: Simone Eber

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