Was tun bei Streik am Flughafen?

Herr Joachimsthaler, Streiks am Flughafen ereilen Passagiere immer wieder unverhofft und ohne große Vorankündigung. Wohin kann ich mich als Betroffener in so einem Fall wenden?

Erster Ansprechpartner ist immer das Unternehmen, bei dem der Flug gebucht wurde – also das Reisebüro, der Veranstalter oder die Airline. Die Telefon- Hotlines von Airports und Fluggesellschaften sind bei Streiks allerdings meist dauerbesetzt; ihre jeweiligen Webseiten sind als Informationsquelle daher die schnellere und bessere Alternative.

Ist es überhaupt sinnvoll, zur geplanten Zeit zum Flughafen zu fahren, wenn drastische Verspätungen schon absehbar sind?

Auf jeden Fall! Veranstalter und Fluggesellschaften ver langen in den meisten Fällen, dass sich der Kunde am Airport einfindet, um weitere Informationen entgegenzunehmen. Auch bei bereits absehbaren Verspätungen sollten Passagiere zur ursprünglichen Flugzeit vor Ort sein, um eventuell einen früheren Ersatzflug antreten zu können. Hüten sollte man sich auch vor Schnellschüssen auf eigene Faust, z. B. der Umbuchung von Flug auf Bahn. Hier kann es schnell zum Verlust von Ansprüchen kommen!

Neben Pflichten hat ein Flugpassagier bei Streik aber sicher auch Rechte, oder?

Natürlich. Fluggesellschaft bzw. Veranstalter haben die Pflicht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung für ihn zu organisieren. Und: Während der Wartezeiten müssen sie die Passagiere mit Speisen und Getränken (in Form von Gutscheinen) versorgen. Bei längeren Verzögerungen ist auch eine Übernachtungsgelegenheit bereitzustellen – unabhängig davon, wer für den Streik verantwortlich ist.

Haben Reisende, die von streikbedingten Flugverspätungen betroffen sind, auch Anspruch auf finanziellen Ausgleich?

Jein. Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Flugpassagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn dem kein außergewöhnlicher Umstand zugrunde liegt. Die Airlines werten Streiks aber, genau wie schlechtes Wetter, als außergewöhnlichen Umstand, sprich: Sie zahlen nicht! Etwas günstiger sieht es bei Pauschalreisen aus: Passagiere können hier über den Veranstalter eine anteilige Erstattung des ursprünglich bezahlten Gesamtpreises verlangen.


Flieger gelandet, Gepäck weg - was nun?

Viele haben diese Situation schon erlebt: Die Maschine ist gelandet, die Gepäckausgabe setzt sich in Gang - doch der eigene Koffer fehlt. Jetzt ist es wichtig, die richtigen Schritte zu unternehmen, um das Gepäckstück wiederzubekommen oder an eine Entschädigung zu gelangen.

  1. Der erste Gang, nachdem festgestellt wurde, dass das Gepäck an der Ausgabe fehlt, ist der zur Gepäckermittlung. Sollte diese bereits geschlossen bzw. nicht verfügbar sein, ist die Fluggesellschaft die richtige Adresse.
  2. Hier wird eine schriftliche Verlustmeldung aufgenommen. Dazu benötigen Sie Ihre Bordkarte und die Kontrollscheine für das Gepäck, die Sie beim Check-in erhalten haben. Meistens klebt das Bodenpersonal der Airline diese Abschnitte direkt auf die Bordkarte.
  3. Die Verlustmeldung ist für die weitere Abwicklung unabdingbar, übrigens auch bei Schäden am Gepäck. Reisen Sie deshalb nicht einfach nach Hause, um über das Reisebüro, den Veranstalter oder die Fluggesellschaft zu reklamieren. Ohne Formular ist das nahezu aussichtslos!
  4. Wiedergefundene Gepäckstücke werden dem Betroffenen in der Regel nach Hause geliefert. Sollten sie innerhalb von 100 Tagen nicht auftauchen, gelten sie als "nicht auffindbar". Die Airline ist dann zu einer Entschädigungszahlung zwischen 1100 und 1350 Euro verpflichtet. Insofern lohnt sich eine Gepäckversicherung nur, wenn der im Koffer enthaltene Wert diese Summe überschreitet.
  5. Ein weiterer häufiger Fall: Das Gepäck kommt verspätet am Urlaubsort an. In diesem Fall haben Sie zunächst Anspruch auf einen Noteinkauf, für den die Fluggesellschaft unter Vorlage der entsprechenden Quittungen aufkommt. Dieser Noteinkauf sollte im Prinzip der Schadensminderung liegen, d. h. der Geschädigte sollte nur das Nötigste und nicht unbedingt das Teuerste einkaufen. Je nach benötigter Zeitspanne wird das wiedergefundene Gepäck dann in die Unterkunft am Urlaubsort oder nach Hause geliefert. Bleibt es verschollen, greift die Entschädigungsregelung aus Punkt 4.

Tipp: Bringen Sie an allen mitgeführten Gepäckstücken Ihre Privatadresse und die Adresse des Zielortes an. So erleichtern Sie der Airline bei Verlust die Suche nach dem Eigentümer.